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Das aktuelle Buch

„Tough Talk – die rhetorischen Spielregeln zum Überleben im Haifischbecken“

von Marc-Stephan Daniel ist im Wiley-VCH- Verlag erschienen

 Auszug aus dem Klappentext:

Die Art, wie wir miteinander kommunizieren, hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert. „Kampfkommunikation“ nennt dies Marc-Stephan Daniel. Er vertritt dabei eine höchst interessante These: Psychopathisch veranlagte Menschen, Narzissten und Egomanen sind durch die Deregulation der Wirtschaft nach oben gespült worden. Die Folgen sind verheerend: Immer mehr Menschen müssen mit äußerst schwierigen Gesprächspartnern und Gesprächssituationen zurecht- kommen, wissen aber nicht, wie sie sich ihrer Haut wehren können. In diesem Buch werden nicht nur die Hintergründe dieser Entwicklung dargelegt, sondern auch das handwerkliche Rüstzeug geboten, um in Zukunft solchen Menschen auf Augenebene begegnen zu können.

Besondere Beachtung findet dabei die Tatsache, dass jeder Mensch ein Standardreaktionsmuster hat, dem er unbewusst folgt. In TOUGH TALK werden diese Verhaltensmuster transparent gemacht. Es wird anhand von Beispielen gezeigt, wie diese erweitert werden können, um sie im Rahmen eines Dialogmanagementsystems professionell zu nutzen. Wer das Forcing®- Dialogmanagementsystem anwendet, ist am Ende in der Lage, Eskalationen in Verhandlungen geschickt zu nutzen und diese in die gewünschte  Richtung zu lenken. Wer Dialoge statt intuitiv professionell steuert, gibt die Steuerungshoheit nie mehr aus der Hand und kann die angestrebten Ergebnisse im Gespräch durchsetzen.

 

Buchrezension der Berliner Morgenpost vom 05.10.2016, Ausgabe 41

 

 

Update: 19. März 2018, 08:40 Uhr

Uni Heilbronn  Marc-Stephan Daniel referiert bei der achten Vorlesung der Bürger-Uni in Heilbronn zu Resilienz und innerer Widerstandskraft – und rät, sich auf den nächsten Ärger zu freuen.

Von Julia Weller (Heilbronner Stimme)

„Durch Selbststeuerung zur inneren Gelassenheit“

Es beginnt schon im Sandkasten, setzt sich bis ins Altersheim fort und betrifft uns alle: das Thema Stress. So eröffnet Tomás Bayón die achte Vorlesung der Bürger-Uni vor 500 Zuhörern in der Aula am Heilbronner Bildungscampus. „Viele sagen: Bleib doch einfach gelassen“, erzählt der Vorstand der German Graduate School of Management and Law. „Aber so einfach ist das nicht. Wie machen wir das?“ Um der Antwort ein Stück näher zu kommen, begrüßt Bayón den Kommunikationspsychologen Marc-Stephan Daniel als Sprecher des ausgebuchten Vortrages. Der hat allerdings erst einmal selbst einige Fragen an das Publikum.

„Hat den Begriff Resilienz überhaupt schon jemand gehört? Niemand?“, beginnt der Redner seinen Vortrag und fragt gleich weiter: „Hat sich hier schon mal jemand eine Gallenblase entfernen lassen?“ Was das eine mit dem anderen zu tun hat: Marc-Stephan Daniel selbst besitzt keine Galle mehr, er musste sich vor einigen Jahren von ihr trennen. „Warum? Weil mein Chef ein Psychopath war!“, ruft er. Innerer Stress und Ungelassenheit hätten zu einer Gallenblasenentzündung geführt, das Organ musste raus.

Der Körper reagiert auf sozialen Stress

Kein Einzelfall, wie der Psychologe erklärt: Laut einer Studie der University of California in Los Angeles führt sozialer Stress zur Aktivierung der biologischen Stress-Systeme im Körper. Cortisol, Adrenalin und Nor-Adrenalin können Entzündungsprozesse hervorrufen, welche sich wiederum in chronischen Schmerzen, Müdigkeit, Traurigkeit, Diabetes oder Herz- und Kreislaufproblemen äußern können. Oder eben in entzündeten Gallenblasen. 65 Prozent aller Menschen erleiden laut der Studie mindestens einmal im Leben depressive Verstimmungen aufgrund von psychosozialem Stress, also Problemen im persönlichen Umfeld.

„Wenn man Ungelassenheit oder Ärger spürt, ist man in einer emotionalen Fremdsteuerung“, erklärt Daniel. Das Umfeld habe durch seine Handlungen und Verhaltensweisen dann Macht über die eigene Emotionalität. Eine Situation, die jeder kennt: Wer mit einem Narzissten oder einem Choleriker diskutiert, regt sich schnell über das Verhalten des anderen auf – und spürt den Ärger in sich selbst. „Dabei bestimmt mein Gegenüber, wie es mir geht, und nicht mehr ich selber“, beschreibt der Psychologe das Problem. Um in solchen Situationen gelassener zu bleiben, hat sich Marc-Stephan Daniel ein mahnendes Foto seiner Gallenblase über den Schreibtisch gehängt. Doch er hat auch andere Tipps.

„Resiliente Personen können Stress auffangen und sind in der Lage, nach schwierigen Situationen in ihre ursprüngliche mentale Stabilität zurückzukommen“, sagt Daniel. Als Beispiel hält er zwei Gegenstände hoch, die unterschiedliche Personen symbolisieren sollen: Eine Bierdose und einen Schwamm. Beide drückt er fest in seinen Händen zusammen. „Die Bierdose ist total verformt, mit anderen Worten: Burnout“, sagt der Psychologe. Der Schwamm hingegen sei emotional flexibel, er lässt sich von äußerlichem Druck nicht dauerhaft verformen. „Resilienz ist also die Widerstandskraft gegenüber äußeren Stressoren. Machen wir aus uns Schwämmchen!“

Unsere größten Angriffspunkte

Zum resilienten Schwamm kann aber nur werden, wer die Kontrolle über die eigenen Gefühle nicht an die Außenwelt abgibt. Daniel spielt ein Video ab, in dem einem niedlichen Kauz der Kopf gekrault wird. „Ooooooh meeeeeei“ lässt er das Publikum dazu sagen und fordert die Gäste auf, ihren Nebenmännern ebenso den Kopf zu kraulen. Viele lachen, doch die meisten zögern ganz zurecht: „Wir haben den Wunsch nach einer äußeren Quelle der Gelassenheit, nach einer kraulenden Hand.“ Aber was passiert, wenn diese Hand ausbleibt? „Dann müssen wir uns selber darum kümmern“, sagt Daniel. Dazu lasse sich die Resilienz trainieren wie ein Muskel.

Ein wichtiger Schritt sei, sich seines sogenannten „allgemeinen sozialen Selbstkonzeptes“ bewusst zu werden. Dieses Konzept beschreibt, wie eine Person wahrgenommen werden möchte: Eine Ärztin möchte vielleicht als besonders kompetent und intelligent herüberkommen, ein Comedian als humorvoll und unterhaltsam. Donald Trumps Selbstkonzept bestehe aus Macht- und Autoritätselementen. „Schauen Sie sich mal achtsam selbst an und fragen Sie sich, wie Sie wahrgenommen werden möchten“, rät Daniel. Denn: Diese Kernpunkte des sozialen Selbstkonzeptes sind unsere größten Angriffspunkte. Wer die Diagnose der Ärztin infrage stellt oder bei der Show des Comedians nicht lacht, verletzt sie in ihrem Selbstbild. Das führt zu Stress und kann in Depressionen enden.

Resilienz muss trainiert werden

Ein ursprünglich neutraler Umweltreiz hat in diesem Fall eine körperliche Reaktionskette in Gang gesetzt, die ein resilienter Mensch verhindern könnte. Dazu müsse man sich bewusst werden, dass das Umfeld nicht für das eigene Wohlergehen verantwortlich ist und man „der Herr im eigenen Haus“ bleiben muss. Den akuten Moment des Ärgers solle man als kurzes emotionales Defizit spüren, aber nicht Überhand nehmen lassen. Wichtig: Diese Resilienz muss man immer wieder üben. „Freuen Sie sich auf den nächsten Ärger“, sagt Daniel, „und nutzen sie ihn als Training.“

Moderator und Stimme-Redakteur Tobias Wieland will abschließend von Marc-Stephan Daniel wissen, wie man in einer Stress-Situation wie etwa beim Autofahren ganz praktisch reagieren könne – über Mittelspur-Schleicher auf der Autobahn habe sich schließlich jeder schon einmal aufgeregt. Dieses Gefühl kennt auch Psychologe Daniel, und er gibt den Gästen eine Hausaufgabe mit auf den Heimweg: „Wenn Sie so einen das nächste Mal links überholen, versuchen sie, dem langsamen Fahrer auf der Mittelspur keinen bösen Blick zuzuwerfen.“ Das koste eine Menge Willenskraft, sei aber ein gutes Resilienztraining, das man so oft wie möglich durchführen sollte. Marc-Stephan Daniel muss es wissen: „Üben Sie Ihre Widerstandskraft. Und warten Sie nicht, bis Sie eine Galle verlieren.“